„Wir sind für Sie da“ – Alzheimer-Telefon NRW

Aus der telefonischen Beratung in Corona-Zeiten

„Kann ich meine Mutter von der Maskenpflicht befreien lassen?“ „Mein Vater ist völlig erschöpft von der Pflege und bräuchte dringend eine Kur, geht das jetzt überhaupt? – Seit Beginn der Corona-Pandemie hat der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW eine steigende Zahl solcher Anfragen erhalten.

Corona und die zum Infektionsschutz erlassenen Vorschriften haben Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörige in den letzten Monaten fast täglich vor neue Herausforderungen und Fragen gestellt. Viele zuhause Pflegende sahen sich angesichts geschlossener Tagespflegen, Betreuungsgruppen und Selbsthilfeangebote mehr denn je auf sich allein gestellt. Andere waren durch die Besuchsregelungen in stationären Einrichtungen von ihren pflegebedürftigen Angehörigen abgeschnitten und sorgten sich um deren Wohl. „Ich möchte meinen Vater nachhause holen, weil er im Heim emotional verkümmert – Wie finde ich eine 24-Stunden-Pflegekraft?“, fragte beispielsweise eine Tochter. Um Menschen mit Demenz wurde es einsam, weil Besuche ausblieben und Kontakte auf ein Minimum beschränkt waren. Ihnen fehlten aktivierende Angebote wie Gymnastikrunden, Spielenachmittage oder Singstunden, die corona-bedingt ausfielen. „Viele Anrufende fragen nach Unterstützungsangeboten, suchen Rat im Umgang mit demenzkranken Angehörigen oder brauchen einfach mal jemanden, der zuhört“, erklärt Monika Tolksdorf-Henkel, die das Alzheimer-Telefon NRW koordiniert. Entsprechend hat der Verband sein Beratungsangebot erweitert. Seit Mitte Mai ist das Alzheimer-Telefon wochentags zu festen Zeiten sowie zusätzlich am Wochenende erreichbar.

Zuhören, beraten, stärken

Schon in „normalen“ Zeiten wirft Demenz für die betroffenen Menschen und ihr soziales Umfeld viele Fragen auf. Die Corona-Krise hat die Situation noch mal zugespitzt. Häufig sind es nicht nur Söhne, Töchter, Partner oder Enkel, die sich an das Alzheimer-Telefon wenden. Auch Nachbarn, Freunde oder selbst Vermieter melden sich, die sich um das Wohl Demenz-Erkrankter und ihrer Angehörigen sorgen und helfen wollen. Das Team am Alzheimer-Telefon berät kompetent über Pflege und Demenz, informiert zu Diagnose, Krankheitsbildern und Verlauf und kann Ansprechpartner und konkrete Unterstützungsangebote vor Ort vermitteln. „Oft hilft es den Anrufenden aber auch schon, sich einmal in Ruhe aussprechen zu können oder Tipps für den Pflegealltag zu erhalten“, so Tolksdorf-Henkel. Die erfahrenen Fachkräfte hören zu, nehmen sich Zeit und versuchen sich im Gespräch ein Bild von der Pflegesituation zu verschaffen, um passgenaue Unterstützung vermitteln und Fragen beantworten zu können. Dafür hat der Verband einen Gesprächsleitfaden entwickelt und Informationen zu Anlaufstellen wie Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen sowie hilfreiche Tipps zusammengestellt. Die Beratung erfolgt auf Wunsch anonym. Bei Bedarf erhalten Anfragende zusätzlich schriftliche Informationen oder können sich zum Newsletter von Alzheimer NRW anmelden. Die wichtigsten Elemente der Beratung sind aber Zeit und Zuspruch, die den Angehörigen Mut machen und zeigen, dass sie nicht allein sind. „Das persönliche Gespräch ist dafür immens wichtig“, weiß auch Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende von Alzheimer NRW. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass das der Verband die Telefonberatung mit Förderung der NRW-Landesregierung ausbauen konnte.

 

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