Modellprojekt Gelassen – nicht alleine lassen

Entwicklung eines Instruments zur Selbsteinschätzung der eigenen Gelassenheit, um Herausforderungen durch Begleitung und Pflege bewusst anzunehmen oder abzuwenden.

Bei einer hohen und ständig steigenden Anzahl von Menschen mit Demenz sind Angehörige die wichtigsten Betreuungs- und Pflegepersonen. Die Versorgung im häuslichen Alltag bedeutet für Angehörige eine enorme Belastung und bringt sie oft an die eigenen Grenzen. Diese Belastung kann dazu führen, dass sich Gedanken im Kreis drehen, die innere Anspannung zunimmt und Kontrollmechanismen versagen: Die nötige „Gelassenheit“ fehlt!
Eine allgemeine Empfehlung für Angehörige lautet, dass sie sich beraten lassen sollen, wenn sie merken, dass sie sich überlastet fühlen oder im Zusammenhang mit Begleitung und Pflege eine Neigung zu Handlungen wahrnehmen, die als gewaltsam empfunden werden könnte. In der Praxis ist jedoch festzustellen, dass die Hürde, Unterstützung oder ein Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen, sehr hoch ist.

Projektziel:

Es wird ein Instrument entwickelt, mit dem Angehörige selbst den situativen Grad ihrer Gelassenheit messen können. Damit sollen Angehörige in ihrer Selbstreflexion unterstützt werden, um kritische Situationen wahrzunehmen und zu vermeiden oder selbst zu erkennen, dass ein Hilfs- und Beratungsangebot hilfreich sein könnte.

Maßnahmen:

Das Instrument zur Selbsteinschätzung sowie alltagstaugliche Strategien sollen an vier Standorten in NRW gemeinsam mit Angehörigen entwickelt und getestet werden. Somit können gute Beispiele Hilfen und Orientierungen geben, die sich im Alltag bewährt haben. Die Ergebnisse der Selbsteinschätzung können damit gleich in Handlungsoptionen und Entscheidungshilfen umgesetzt werden.
In einer zweiten Phase soll sich auf das Thema „freiheitseinschränkende Maßnahmen“ fokussiert werden. Viele bewährte Ansätze für beruflich Pflegende werden beleuchtet und auf die Anwendbarkeit für Angehörige getestet. Entstehen soll ein leicht verständliches Manual, das Angehörigen Alternativen zu freiheitseinschränkenden Maßnahmen aufzeigen kann.

Wirkung:

Angehörigen werden alltagsnahe und anwendbare Hilfen zur Selbsthilfe gegeben, die über die bestehenden Netzwerke der Alzheimer Gesellschaften, der Landesinitiative Demenz-Service  NRW oder dem Zentrum zur Qualitätsentwicklung in der Pflege in die Fläche getragen werden können.

Mitmachen:

Wir suchen für das Projekt Angehörige, die als „Expert*innen“ in eigener Sache in verschiedenen Phasen im insgesamt dreijährigen Projekt mitwirken. Die Teilnahme an einem oder mehreren Bausteinen ist möglich. Sämtliche Inhalte fließen nur anonymisiert in das Projekt ein.

  • Workshops zum Thema „Gelassenheit“ als Basis für die Entwicklung des Instruments
  • Testung/Nutzung des Instruments über mehrere Wochen in der häuslichen Umgebung mit Interviews zu den gesammelten Erfahrungen
  • Workshops zu Grenzen & Handlungsmöglichkeiten in angespannten Situationen
  • Schulung zum Thema „Freiheitseinschränkung: Pro & Contra“
  • Moderatorenfortbildung zum Thema: „Freiheitseinschränkung: Pro & Contra“
  • Interviews zu einem (im Rahmen des Projekts neu entwickelten) Manual im Hinblick auf Alternativen zu freiheitseinschränkenden Maßnahmen.

Infos & Kontakt:

Projektleitung: Klinische Dipl.-Psych. Ira-Maria Bredt,
Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V.
Tel.: 0211-240 869-13
E-Mail: bredt@alzheimer-nrw.de

Projektorganisation: Marie Köster,
Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V.
Tel.: 0211-240 869-12
E-Mail: koester@alzheimer-nrw.de