Alzheimer NRW Januar 2019: Steuermittel in die Pflege!

Menschenwürdige Betreuung von pflegebedürftigen – auch dementiell veränderten - Menschen erfordert und verdient die Solidarität von Allen in der Gesellschaft!

Nachdem der Pflegenotstand bereits seit einiger Zeit von verschiedenen Seiten zu Forderungen geführt hat, den Pflegebereich auch mithilfe von Steuermitteln hinreichend und zukunftssicher auszustatten, hat jetzt Gesundheitsminister Jens Spahn die Frage der künftigen Finanzierung aufgegriffen. „Wenn die Beiträge nicht immer weiter steigen sollen, dann wird man auch über andere Finanzierungsmodelle diskutieren müssen“, sagte Spahn angesichts der älter werdenden Gesellschaft in einem Zeitungsinterview. Und: „Wir müssen nochmal ganz neu austarieren, was die Familien selbst leisten können und wo sie Unterstützung brauchen.“
„Es war wirklich Zeit, dass auch der Bundesminister diese drängende Frage aufgreift“, begrüßt Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V., die Initiative des Bundesgesundheitsministers. „Nur: Es brennt schon jetzt an allen Ecken. Das erfahren wir als Selbsthilfeverband mit vielfältigen Angeboten für Betroffene, Angehörige, ehrenamtliche und professionelle Kräfte in der Betreuung von Demenzerkrankten beinahe täglich.“
Regina Schmidt-Zadel, ehemals Mitglied des Deutschen Bundestages, hatte zuletzt im Dezember beim Symposium von Alzheimer NRW „Pflege ohne Menschen?“ im Düsseldorfer Landtag unterstrichen, dass es dringend steuerfinanzierte Anstrengungen braucht, um den Pflegebereich für Fachkräfte attraktiver und für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen verlässlich zu machen. Die Erhöhungen der Beiträge zur Pflegeversicherung reichen dafür erwiesenermaßen nicht aus.
In Bedrängnis geraten Familien vor allem durch den Mangel an Pflegekräften. Immer wieder melden sich Betroffene, die keinen Heimplatz für ihre demenzerkrankten Angehörigen finden oder die Zuzahlung für einen solchen nicht aufbringen können. NRW liegt im Bundesvergleich bei den Zuzahlungen zu den Pflegekosten im oberen Drittel. Während unabhängig vom Pflegegrad in Thüringen 237 Euro monatlich für den so genannten Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil aufgebracht werden müssen, betragen diese Zuzahlungen in NRW durchschnittlich 676 Euro. Hinzu kommen dann noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten und oft auch noch eine Ausbildungsumlage. Dabei arbeiten viele Heime aufgrund des Fachkräftemangels mit einer Notbesetzung. Und nicht nur in der Langzeitpflege gibt es eine weit größere Nachfrage, als Plätze angeboten werden. Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflegeplätze, die pflegende Angehörige entlasten könnten, sind noch schwieriger zu finden, die Öffnungszeiten von Tagesstätten oft nicht mit individuellen Arbeitszeiten vereinbar. Und auch Ambulante Pflegedienste mit noch freien Kapazitäten sind rar.
„In einem Land, das Banken und Landwirten in Not hilft, muss es auch möglich sein, Steuergeld in eine menschenwürdige Pflege zu investieren – und zwar möglichst, bevor professionelle Pflegekräfte und pflegende Angehörige massenhaft an ihrer Überlastung zerbrechen“, appelliert Alzheimer NRW-Vorsitzende Regina Schmidt-Zadel an die Verantwortlichen in der Bundesregierung.

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